Kultur - Written by Michael Schiebel on Dienstag, Dezember 8, 2009 21:00 - 0 Kommentare

ATV lehnt schwulen Bauern bei „Bauer sucht Frau“ ab!

Wien, Kilb – Einen schweren Fall von Diskriminierung durch ATV auf Grund der geschlechtlichen Ausrichtung orten Verfassungsjuristen. Der österreichische Privat-TV-Sender hatte für seine letzte Staffel des erfolgreichen Formats „Bauer sucht Frau“ einen sechsundzwanzigjährigen Landwirten aus dem Bezirk Melk in Niederösterreich mit der Begründung abgelehnt, er wäre homosexuell. Aus Kreisen des Senders wird dies inoffiziell bestätigt. Der tief enttäuschte studierte Agrarökonom zieht nun auf Anraten seiner Anwälte vor Gericht.

Nachdem er sich schon für einen Urlaub mit Richard Lugner erfolglos bei ATV beworben hatte, suchte Siegbert Hinterholzer nun sein Glück bei der Erfolgsserie „Bauer sucht Frau“. Der Sender lehnte die Bewebung des attraktiven jungen Bauern jedoch mit dem Hinweis auf das Substantiv „Frau“ im Sendetitel ab. Hinterholzer habe nämlich im Casting auf die Frage, auf welchen Typ er stehe, angeben, dass ihm Äußerlichkeiten, wie die Größe des Penis oder die Figur egal seien. Auch „ein Glatzerl“ sei kein Hindernis, lediglich auf dichte Brustbehaarung würde er schon ein wenig stehen.

„Wir haben diese Aussagen dahin gehend interpretiert, dass der Bursche keine Frau, sondern einen Mann sucht“, bestätigt ein Sprecher von ATV. Obwohl er den Wunsch des Bauern durchaus nachempfinden könne, er selbst bevorzuge aber eher glatt rasierte muskulöse Brustkörbe und Waschbrettbäuche, widerspreche das dem Sendekonzept. „Es geht darum, dass sich Frauen vor gestandenen Mannsbildern erniedrigen, um ihn, seinen Grundbesitz und seine Kohle zu bekommen“, erklärt der Sprecher. Das dürfe durchaus anzüglich und bisweilen sogar sexuell demütigend sein. Aber es brauche eben klare, dem gesellschaftlichen Konsens entsprechende Rollen: „Mann oben, Frau unten!“

Genau in dieser Argumentation erblicken Juristen aber den Schwachpunkt der Ablehnung. In der jüngsten Staffel hatten sich nämlich drei Männer einer Pferdegutsbesitzerin anzudienen. „Das hebelt die Argumentation mit den Wertvorstellungen natürlich aus“, bestätigt Anwalt Dr. Gregor Raffzahn gegenüber salamiNEWS. Wer Frauen gegenüber Männern in der Alpha-Rolle darstelle, der könne „kein Problem haben, einen schwulen Bauern bildfüllend auf Brautschau zu schicken“, argumentiert der Advokat. „Wer schon C gesagt hat, muss auch B sagen“, ergänzt er augenzwinkernd. Diplomingenieur Siegbert Hinterholzer war gegenüber salamiNEWS zu keiner Stellungnahme bereit, da er nicht in ein schwebendes Verfahren eingreifen wolle.

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