Post-Chef Wais bricht endlich Schweigen: Ich sehe Jobabbau als soziales Programm!

31. Dezember 2012 | Von | Kategorie: Exklusivinterviews , Wirtschaft

Wien – In einem Exklusivinterview mit MeinEURO.at bricht Post-General Anton Wais endlich sein Schweigen zu seinen Jobabbauplänen und erklärt die sozialen Hintergründe des Personal-Kahlschlags. Die Schere zwischen Spitzengehältern des Managements und kleinen Arbeitern und Angestellten werde durch Kündigung der Niedrigstlohnbezieher wirksam geschlossen. Auch macht er sich Gedanken über die Chancen der Arbeitsosigkeit und das Weihnachtsgeschäft…


MeinEuro.at:
Herr Generaldirektor, warum muss die Post 9.000 Mitarbeiter abbauen?

Wais: Nun sehen Sie, auch ich lese die Zeitungen und da war und ist immer wieder die Rede vom Auseinanderklaffen der Manager-Gehälter und der Löhne der einfachen Arbeiter und Angestellten. Ich selbst zähle als Generaldirektor einer Aktiengesellschaft natürlich eher zur Kategorie der besser Entlohnten und es war an der Zeit, ein Signal zu setzen. Indem wir die 9.000 untersten Einkommensbezieher der Post in den nächsten Jahren auf die Straße setzen, verdiene ich am Ende der Bereinigung nicht mehr hundert mal so viel wie unsere am schlechtesten bezahlten Mitarbeiter sondern nur mehr achtundneunzig mal so viel. Ein schönes Zeichen, wie ich finde, das dieser Einkommensschere entgegenwirkt.

MeinEuro.at: Aber Herr Generaldirektor, diesen gekündigten Leuten nützt das doch nichts. Die haben ja dann keinen Job mehr und noch weniger Geld in der Tasche?

Wais: Ja, aber durch die Freisetzung gibt die Post ihnen die Chance, sich besser dotierte Jobs zu suchen. Auch diese Geste sollte man nicht unterschätzen.

MeinEuro.at: Na gut, aber eines bleibt doch unklar. Warum wurde den Medien überhaupt ein Papier in die Hände gespielt, in dem die Job-Abbaupläne bis 2015 skizziert werden? Wen interessiert denn das heute schon?

Wais: Sie haben natürlich recht. Das kommt so auch gar nicht – reine Rechenmodelle! Aber wir wollten einfach die globale Finanzkrise nutzen, um selbst auch etwas Panik zu verbreiten. Unser Beitrag zum Chaos gewissermaßen.

MeinEuro.at: Also Sie sind ein Wellenreiter der Krise? Sie legen Politik und Gewerkschaften im aktuellen Chaos einfach ein Worst-Case-Szenario vor, um in der Folge alles durchsetzen zu können, was ihnen passt, weil es dann eh nicht so schlimm ist?

Wais: Ja.

MeinEuro.at: Aber ist das nicht etwas zynisch und menschenverachtend Ihren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen gegenüber?

Wais: Schon.

MeinEuro.at: Und wenn die Postbediensteten sich wehren und wirklich streiken?

Wais: Ist mir wurscht. Hackeln eh normal auch nix.

MeinEuro.at: Und die traurigen Kinderaugen, wenn unter dem Weihnachtsbaum die Packerl fehlen.

Wais: Die Packerl bringt der heilige Mitbewerb durch den Kamin. Das hat mit uns nichts zu tun.

MeinEuro.at: Herr Generaldirektor, danke für dieses Gespräch und frohe Weihnachten.

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Originally posted 2008-11-14 23:00:40.

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3 Kommentare auf "Post-Chef Wais bricht endlich Schweigen: Ich sehe Jobabbau als soziales Programm!"

  1. paul sagt:

    großartig.

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  2. Anonymous sagt:

    Sensationell.

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  3. Maradonna sagt:

    Jetzt erst gesehen. Wahnsinn!

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